In Form eines langen Streifens

Kurz nach dem Ende der 5. Berlin Biennale, auf der sie unter dem Titel „Neue Nachbarn“ im Skulpturenpark genau die fünf Bäume in originalgetreuer Anordnung anpflanzen ließ, die sie kurz vor dem Abriß vom Dach des Palast der Republik antraf und vor dem Recyclingcontainer „bewahren“ konnte, zeigt Ulrike Mohr bei Cluster eine experimentelle Ausstellung mit zwei neuen Arbeiten, die in sich unabgeschlossen und ortsspezifisch wirken. Grundmaterialien sind Wasser und Kohle, Hilfsmittel sind Wassersprenger und Nägel. Wie vielen Ausstellungsprojekten von Ulrike Mohr ging auch ihrer Präsentation bei Cluster eine umfangreiche, semiwissenschaftliche Begriffs-, Material- und Ortsrecherche voraus. Die bei Cluster vorgestellten Experimentierfelder sind das Ergebnis theoretischer und praktischer, sowie reflektiert-skrupelloser Materialerkundung oder auch absurder, möglicherweise sinn-loser Materialverfremdung.

Vokabular zur Ausstellung:

Der Streifen – ein langer schmaler, farblich abgesetzter Abschnitt einer Fläche hier u.a. in formaler Relation zum Grundriss des Ausstellungsraums
– ein langes schmales Stück Land
– ein langes bandartiges Stück

Das Streifen – Der Tätigkeitsbegriff des Streifens, des ziellosen Laufens durch eine Stadt, wie ihn der Situationist Guy Debord in den späten Fünfziger Jahren – als „dérive“ – propagierte.

Die Kaskade – Im übertragenen Sinne eine Verkettung von Ereignissen oder Prozessen, wobei alle Ereignisse auf die Vorhergehenden aufbauen.

Der Kaskadeneffekt – Der Begriff Kaskadeneffekt wird als Metapher für verschiedenartige Prozesse verwendet, die im Sinne einer Kaskade (von ital. „cascata“ = stufenweiser Wasserfall) stufenweise umgesetzt werden.

Die Zeichenkohle – Zeichenkohle besteht aus verkohlten Holzstäbchen, bzw. aus gepresstem Holzkohlepulver. Zur ihrer Herstellung werden verschiedene Hölzer verwendet. Die zugeschnittenen Holzstäbe müssen als Bündel in Ton eingepackt oder in einen verschlossenen Tontopf gelegt werden. Danach werden sie langsam in einem Ofen gebacken. In neuerer Zeit wird auch Holzkohlepulver zu Stangen gepresst, was verschiedene Härtegrade zulässt.

Das Holzpech, auch Holzteer – Eine organische Verbindung aus Baumharzen, die durch deren Destillation entsteht. Holzpech ist schon in der Antike als Kleber bekannt gewesen und in vielen Anwendungen nachzuweisen. Bitumen ist ein Klebemittel ähnlich dem Holzpech.

Pressetext, Barbara Buchmaier, Cluster 2008