WECHSELRAUM Vol.5

Meinblau Projektraum, Berlin, 19. – 20. Januar 2019

Während der gesamten Ausstellungsdauer von 24 Stunden fand ohne Unterbrechung jede Stunde ein Wechsel statt. Stündlich gab es eine Eröffnung, Tag und Nacht.
Mit Studierenden und Absolvent*innen der weissensee kunsthochschule berlin: Friedrich Andreoni, Leonie Behrens, Lydia Belevich, Bibsi, Anna Choi, Manon Dalmas, Dream a Team, Thiseas Efstathopoulos, Daniel Hölzl, Eva Karduck, Dong Geon Isu Kim, Chia-Liang Lai, Alfred Marasigan, Ulrike Mohr, Marié Nobematsu – Le Gassic, Jules Piveteau, Nina Plaskova, Dachil Sado / Diwali Hasskan, Carla Schliephack, Maximilian Schröder, Anna Swagerman, Maria Turik

 

WECHSELRAUM Vol.3

Zürcher Hochschule der Künste ZHdK, Campus Toni-Areal|Transdisziplinarität, 9. – 12. Januar 2018

Mit Florian Dombois, Ulrike Mohr und ZHdK-Studierenden Piet Esch, Sofia Fernandez, Anna Froelicher, Rafaela Fuchs, Louis Gasser, Eren Karakus, Carol Müller, Deborah Müller, Annina Schäubli, Doris Signer, Claudia Siragna

 

 

WECHSELRAUM Vol.4

art residency wildbad, Rothenburg ob der Tauber, 23. November 2018 – 24. November 2018

Während der gesamten Ausstellungsdauer von 24 Stunden fand ohne Unterbrechung alle zwei Stunden ein Wechsel statt. Alle zwei Stunden gab es eine Eröffnung, Tag und Nacht.
Mit Matthias Beckmann, Florian Dombois, Alice Goudsmit, Ilona Kalnoky, Hannah del Mestre & Lukas Kleinert, Ulrike Mohr, Katja Pudor & Nicole Wendel, Jasmin Schaitl, Max Sudhues, Judith Weber, Justus Weiß, Georg Winter

– Ulrike Mohr 18:00–19:00 ortsspezifische Raumzeichnung mit Efeukohle „Cirrus“
– Florian Dombois 19:00–21:00 Performance „Volcanoes on the Road“
– Jasmin Schaitl 21:00–23:00 one-on-one Performance „present/presence (body)“
– Max Sudhues 23:00–01:00 Intervention „Außen Innen“,  1 Videoprojektion, 2 Overhead Projektionen
– Hannah del Mestre & Lukas Kleinert 01:00–03:00 Kulinarik „c6 culinary research“, Helmut Braun, Gitarre
– Justus Weiß 03:00–05:00 Intervention „from coal to ash; comparative incineration of various plants“
– Katja Pudor & Nicole Wendel 05:00–07:00 Performance „Communication by observation“
– Judith Weber 07:00–09:00 Intervention „Carbon Yoga Radio“
– Ilona Kalnoky 09:00–11:00 Intervention „push-pull-expand“
– Georg Winter 11:00–13:00 Intervention „Transfumare Planungsrauchen, 1:1 Diffusionsmodell“
– Matthias Beckmann 13:00–15:00 Grafische Dokumentation des Wechselraums „Mit geköhlerten Zweigen zeichnen“
– Katja Pudor & Nicole Wendel 15:00–17:00 Performance „Communication by observation“
– Alice Goudsmit 17:00–19:00 Writing Performance „Vierundzwanzigstundentext“
– Lesung aller „Vierundzwanzigstundentexte“ von Hannah del Mestre und Friederike Schäfer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Nachbarn

Hinter den Normen liegt das abwegig Schöne, das unbeachtet andere. Ulrike Mohr ist Expertin für Perspektivverschiebungen und bekannt dafür, gesellschaftliche Regeln ins Absurde zu überführen. In ihren temporären Eingriffen begeht, vermisst und untersucht sie urbane Situationen.
In mehreren Projekten galt die Aufmerksamkeit der Künstlerin dem leer stehenden Palast der Republik, einst architektonisches Symbol der DDR mit einem einzigartigen Politainment-Konzept, in dem viele Jahre lang Volkskammer und Freizeiteinrichtungen unter ein und demselben Dach koexistierten. Vor dem schrittweisen Abriss 2006 lag schließlich die künstlerische Zwischennutzung der Palastruine, und das Entstehen von Wildwuchs auf dem Dach fern der Beobachtung wurde möglich, ein Phänomen, das bei Mohr auf großes Interesse stieß. Ihre Fotografien zeigen die teilweise ineinandergewachsenen Bäume, die der von Rissen durchzogenen Dachlandschaft aus Beton, Bitumen und Teerflicken ihre Existenz abgerungen haben.
Die Pflanzengemeinschaft aus Schwarzpappel, Weide und Birke hat die Künstlerin 2006 in der Aktion Restgrün zusammen mit Bauarbeitern ausgegraben, um sie zwei Jahre später als Beitrag zu der Ausstellung Spekulationen im Skulpturenpark Berlin_Zentrum in originalgetreuer Anordnung wieder einzupflanzen. Obgleich die Palastbäume hier Fremde sind, fügen sie sich unauffällig in das neue Biotop – die Brache des ehemaligen Mauerstreifens – ein. Lediglich die im Boden steckenden Schilder geben Auskunft über ihre botanische Klassifizierung und ihre Herkunft in dieser Intervention Mohrs mit dem treffenden Titel Neue Nachbarn.
Mohrs Beitrag zur 5. berlin biennale besteht in einer Erweiterung dieses Projekts: Sie wurde eingeladen, die Bäume im Anschluss an ihre Spekulationen-Teilnahme für die Laufzeit der Biennale ein weiteres Mal zu verpflanzen, diesmal auf das Dach der Neuen Nationalgalerie. Dieses Vorhaben erwies sich allerdings als undurchführbar. So verbleiben die Bäume im Freien, während die unrealisierten Pläne der Künstlerin im Museum präsentiert werden – als ein Hinweis auf etwas, was hätte sein können.

Petra Reichensperger, 2008